Wut-Schrift

Disclaimer

Wir sind eine Gruppe FLINTA*, die sich aus queer-feministischer Sichtweise mit Wut beschäftigen. Wir sind uns bewusst, dass wir uns dem Thema aus einer mehrheitlich privilegierten Perspektive annähern. Wir schreiben, sprechen und handeln aus einem weißen, akademisierten, größtenteils cis-geschlechtlichen, eurozentristisch geprägten Blickwinkel. Wir sind nicht von Ableismus betroffen. Wenn im folgenden Text von “wir” gesprochen wird, dann meinen wir explizit uns vier Menschen. (Vanice, Natalia, Madeline,Vanessa)  

Wenn wir von Wut sprechen, dann meinen wir nicht, sie zu nutzen, um andere zu verletzen, auszugrenzen, zu diskriminieren oder zu beherrschen. Unser Verständnis von Wut und unsere Forderungen drücken wir in unserer Wut-Schrift aus:  

Wir sind wütend.

Wir sind wütend auf unterdrückende Machtstrukturen, auf oberkörperfreie cis Männer in Clubs, auf Ungerechtigkeit und das Gefühl, machtlos dagegen zu sein.

Wir sind wütend auf rechten Drecks Scheiß – fuck Nazis – auf Querdenker*innen und dass wir Menschen an diesen rechten Scheiß verlieren. wtf

Wir sind wütend auf unsere inneren Dämon*innen, auf Depressionen und Ängste.

Wir sind wütend auf Menschen, die anderen Menschen keinen Raum lassen; darauf, dass cis Männer so fucking viel Raum einnehmen und sich nicht mal fucking selbst reflektieren, weil sie so fucking viele Privilegien haben. Männers! lol

Wir sind wütend auf cis Männer, die uns die Welt erklären wollen, auf Anti-Komplimente und fehlenden Konsens.

Wir sind wütend auf toxische Positivität, wenn uns über den Mund gefahren wird und auf manipulative Menschen.

Wir sind wütend auf das Patriarchat; darauf, dass weiblich gelesene Personen unterschätzt werden und auf Geschlechterrollen.

Wir sind wütend auf Diskriminierung und dass alle möglichen Lebensräume davon durchzogen sind.

Wir sind wütend auf unsere eigenen Unsicherheiten, wenn Menschen uns nicht ernst nehmen, dass unsere Körper ständig kommentiert werden, dass sie unter Beobachtung stehen und auf so vieles mehr.

Wir sind fucking wütend!

Wir wollen unserer Wut mehr Raum geben, sie nicht mehr eingrenzen oder uns zurücknehmen. Wir wollen den Erwartungen anderer nicht gerecht werden müssen und unsere Bedürfnisse nicht immer hinten anstellen. Wir wollen unsere Wut nicht verstecken, um anderen ein gutes Gefühl zu geben.
Wir als FLINTA* werden in unserem Alltag als hysterisch, zickig oder menstruierend betrachtet, wenn wir unsere Wut zum Ausdruck gebracht haben. Das möchten wir aufbrechen!
Was wir wollen, ist unsere Wut ausleben für eine ehrliche, gesündere und veränderbare Welt. 

Wir nehmen uns Raum für Wut

Die Schwarze, lesbische, feministische Schriftstellerin, Mutter, Dichterin und Kriegerin Audre Lorde schreibt in ihrem Buch “Sister Outsider”:

“Aus meiner Angst vor der Wut habe ich nichts gelernt. Auch ihr werdet aus eurer Angst vor der Wut nichts lernen.”

Wir fordern, dass Wut als Grundemotion endlich anerkannt wird – und zwar bei allen Geschlechtern!

Wut ist Energie, ein starker Treibstoff, ein Antrieb, eine Quelle und ein Ansporn, um für uns einzustehen und Grenzüberschreitungen sichtbar zu machen.

Wut gibt uns ein Bewusstsein für viele Ungerechtigkeiten in diesen abgefuckten Zeiten.

Wir leben Wut als queer-feministische Praxis!

Wir wollen Wut zielgerichtet nutzen und sie ins Bewusstsein der Menschen rufen, statt sie zu verleugnen. Wir wollen potenzielle Veränderungen herbeiführen und ins Handeln kommen. Wut ist Macht und kann in vielen verschiedenen Formen zum Ausdruck gebracht werden. 

Wut zu leben, ist ein radikal transformativer Akt!

Um durch Wut radikale Veränderung herbeizuführen, eignen wir sie uns wieder an und befreien uns von der negativen Sicht auf Wut. Wir holen uns Wut zurück in FLINTA*-Kreise, um gemeinsam gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen.

Unsere Wut gehört uns!

Lasst uns Wut nutzen, in den Austausch gehen und gemeinsam wütend sein! Lasst uns Wut-Empathie füreinander empfinden und durch sie zusammenkommen. Lasst uns dabei unsere Grenzen und Kapazitäten respektieren, wenn wir Wut-Geschwister suchen und finden. 

Lasst uns zusammenschließen und gemeinsam zeigen, dass Wut das Potenzial hat, radikale Veränderung herbeizuführen – bei uns selbst und anderen.

Seid wach und wütend – Bildet Wutbanden!

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