Metamodernismus als Transformationsprojekt oder vice versa

von Daniele Lauriola

In dem Essay werden unterschiedliche Lesarten von Metamodernismus beleuchtet und in den Zusammenhang mit Gesellschaftlichen Transformationsprozessen gebracht.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Metamodernismus – Eine Begriffsannäherung

2. Moderne, Postmodern, Metamoderne

3. Metamodernismus und Transformation

4. Wortneuschöpfungen, Narrative und Sprache als Transformationsstrategien

 5. Metamodernes Handeln und Denken als Transformationswerkzeug

Literaturverzeichnis

Einleitung

Metamoderne ist ein Begriff, der in den letzten Jahren an Zugkraft gewonnen hat, um Entwicklungen in der zeitgenössischen Kultur zu artikulieren. Infolge der unzähligen Krisen der letzten zwei Jahrzehnte – Klimawandel, Finanzkrise und die Eskalation globaler Konflikte haben wir das Aufkommen eines spürbaren kollektiven Wunsches nach Veränderung und nach etwas, das über das voreilig verkündete Ende der Geschichte hinausgeht, miterlebt.

Was bedeutet es, metamodern zu sein? Ist der Begriff fruchtbar für das Transformationsdesign? Welche Strategien oder Erkenntnisse können daraus abgeleitet werden? Gibt es eventuell Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen den beiden Strömungen? Wozu taugen Wortneuschöpfungen wie Metamodernismus – bzw. ist es überhaupt eine? Sollten wir über Transformation reden oder doch lieber über Entwicklungsstufen, die aufeinander aufbauen? 

Nach der ersten Beschäftigung lassen die Diskursfelder, die sich um diesen Begriff formieren, Lesende oftmals ein wenig verwirrt zurück – und vielleicht auch mit mehr Fragen als Antworten. Dieses Essay soll einen Einstieg in das Thema erlauben und sich einigen der vorher gestellten Fragen annähern. Dabei geht es nicht darum, abschließende Antworten zu finden, sondern zu sortieren, zu mappen und mögliche Erkenntnisse abzuleiten. Eine kurze historische und epistemologische Betrachtung des Begriffs soll die Grundlage für ein Mapping der Diskursfelder und möglichen Ansatzpunkte legen, um anschließend über Transformation und Metamodernismus zu reflektieren und abschließend mögliche Strategien abzuleiten. 

Unterstützend zu diesem kurzen Text wurden Phänomene, Texte, Videos und Podcasts auf einem Miro Board visuell strukturiert1

1 https://miro.com/app/board/uXjVPZK6lkI=/?share_link_id=691582681331

1. Metamodernismus – Eine Begriffsannäherung

Metamodernismus ist eine vorgeschlagene Reihe von Entwicklungen in Philosophie, Ästhetik und Kultur, die aus der Postmoderne hervorgehen und darauf reagieren. Eine Definition charakterisiert die Metamoderne als Vermittlung zwischen Aspekten der Moderne, als auch der Postmoderne. Ein anderer ähnlicher Begriff ist der ‘Post-Postmodernismus’ und weitere Ideen sind auch in Strömungen wie dem ‘Kritischen Realismus’ zu finden. Um sich diesen anzunähern, lohnt ein kurzer Blick auf die Epistemologie der Vorsilbe und auf die historische Verwendung des Begriffs.

Die Vorsilbe „meta“ kann für unterschiedliche Aspekte verwendet werden. Sie wird vor allem im Sinne der Selbstreflexion verstanden – also ein Text über einen Text, ein Bild über ein Bild usw. Ursprünglich hatte „meta“ jedoch eine etwas umgangssprachlichere Bedeutung. Laut dem griechisch-deutschen Lexikon hat die Präposition und Vorsilbe „meta“ (μετά) mehrere Bedeutungen und Konnotationen. Meistens wird sie mit „nach“ übersetzt. Es kann aber auch verwendet werden, um qualitative Veränderungen zu bezeichnen oder um Positionen wie „mit“ und „zwischen“ zu bezeichnen. In Platons Symposion zum Beispiel bezeichnet der Begriff „Metaxie“ ein ontologisches Dazwischen. 

Aus dem etymologischen Wörterbuch:

prefix meaning 1. „after, behind,” 2. “changed, altered,” 3. “higher, beyond,” from Gk. meta (prep.) “in the midst of, in common with, by means of, in pursuit or quest of,” from PIE *me- “in the middle” (cf. Goth.miþ, O.E. mið “with, together with, among;” see mid). Notion of “changing places with” probably led to senses “change of place, order, or nature”

Wenn der Begriff „meta“ im Kontext Metamodernismus verwenden wird, wird er recht differenziert eingesetzt. Die Vorsilbe ermöglicht es, die Metamoderne historisch jenseits, epistemologisch mit, und ontologisch zwischen der Moderne und der Postmoderne zu verorten. Sie verweist auf eine Dynamik oder Bewegung zwischen den beiden, sowie auf eine Bewegung darüber hinaus. 

Ganz allgemein weist „meta“ jedoch auf eine veränderte kulturelle Sensibilität – oder auf eine kulturelle Metamorphose – innerhalb der westlichen Gesellschaften hin.2

2 Timotheus Vermeulen and Robin van den Akker (2010), „What meta means and does not mean“.

Historische Verwendung:

Metamodernismus (Metamodernism), Metamodernität (Metamodernity), Metamodern (Metamodern) – diese Begriffe tauchen immer wieder in Diskursen auf. Und erleben seit der Verwendung im Jahr 2010 von Vermeulen, Timotheus und van den Akker, Robin in „Notes on Metamodernism” eine deutlich erhöhte Betrachtung. Der Begriff tauchte mit ähnlicher und zum Teil leicht abweichender Bedeutung jedoch schon früher auf. 

Bereits 1975 nutze der Wissenschaftler Mas’ud Zavarzadeh die Vorsilbe „meta“, um eine Gruppe von Ästhetiken oder Haltungen zu beschreiben, die sich seit Mitte der 1950er Jahre in der amerikanischen Literatur herausgebildet hatten.3 1999 verwendete Moyo Okediji den Begriff „Metamoderne“ und bezog ihn auf die zeitgenössische afroamerikanische Kunst, die eine „Erweiterung und Herausforderung von Modernismus und Postmodernismus“ darstellt.4 2002 definierte Professor Andre Furlani, der die literarischen Werke von Guy Davenport analysierte, die Metamoderne als eine Ästhetik, die „nach der Moderne, aber mit den Mitteln der Moderne […] sowohl ein Aufbruch als auch eine Fortsetzung ist.“5 Die Beziehung zwischen Metamoderne und Moderne wurde hier als „weit über eine Hommage hinausgehend betrachtet, hin zu einer erneuten Auseinandersetzung mit modernistischen Methoden, um Themen zu behandeln, die weit außerhalb der Reichweite oder des Interesses der Modernisten selbst liegen.“6 2007 beschrieb die Forscherin Alexandra Dumitrescu die Metamoderne als teils mit der Postmoderne konkurrierend, teils aus ihr hervorgehend und teils auf sie reagierend – wobei sie die Idee vertrat, dass „nur in ihrer Verflechtung und kontinuierlichen Überarbeitung die Möglichkeit besteht, das Wesen zeitgenössischer kultureller und literarischer Phänomene zu begreifen“7.

3 Zavarzadeh, Mas’ud (1975). „The Apocalyptic Fact and the Eclipse of Fiction in Recent American Prose Narratives“

4 Okediji, Moyo (1999). Harris, Michael (ed.). Transatlantic Dialogue: Contemporary Art In and Out of Africa.

5  Furlani, Andre (2002). „Postmodern and after: Guy Davenport“. 

6 Furlani, Andre (2007). Guy Davenport: Postmodernism and After. Northwestern University Press.

7 Dumitrescu, Alexandra (2011). „Interconnections in Blakean and Metamodern Space“. 

2010 erschienen die „Notes on Metamodernism“8. Darin zeichneten T. Vermeulden und R. van den Akker (auch als die niederländische Schule des Metamodernismus bezeichnet) heraus, dass die Postmoderne mit ihrer Auflösung fester Werte durch Ereignisse wie Klimawandel, Finanzkrisen, soziale Unruhen und die digitale Revolution um die Jahrtausendwende ihr Ende gefunden habe. Seither sei eine Art Romantik zurückgekehrt. Engagement, Emotionen und Erzählungen hätten wieder ihren Platz. Starre Positionen wie in der Moderne und ironische Distanz wie in der Postmoderne würden ihre Bedeutung verlieren. Eine „Struktur des Gefühls“ würde entstehen, die wie ein Pendel zwischen unzähligen Polen schwinge.

Es wäre daher zu kurz gedacht, die Metamoderne einfach als unkritische Fortsetzung der Moderne oder als unterschiedslose Ablehnung postmoderner Positionen zu bezeichnen. Um dem Bild zu folgen: vielmehr handelt es sich um ein Pendel, das zwischen beiden hin und her schwingt – und das zunehmend unkontrollierbar: Eine tragische Sehnsucht, eine aufgeklärte Naivität, ein pragmatischer Utopismus oder (wie im Falle eines Großteils des Rechtsextremismus oder des Mobs in den sozialen Medien) ein Relativismus, der gleichzeitig absolutistisch ist und weniger die Position einnimmt, die gerade opportun ist, sondern mit der ideologischen Gewissheit (und moralischen Selbstgerechtigkeit) von Fundamentalisten spielt. 

Metamoderne ist ein Begriff, der in den letzten Jahren an Zugkraft gewonnen hat, um Entwicklungen in der zeitgenössischen Kultur zu artikulieren. Infolge der unzähligen Krisen der letzten zwei Jahrzehnte – Klimawandel, Finanzkrise und die Eskalation globaler Konflikte haben wir das Aufkommen eines spürbaren kollektiven Wunsches nach Veränderung und nach etwas, das über das voreilig verkündete „Ende der Geschichte“ hinausgeht, miterlebt.

Während die Postmoderne durch Dekonstruktion, Ironie, Relativismus, Nihilismus und die Ablehnung großer Erzählungen gekennzeichnet war, befasst sich der Diskurs um die Metamoderne mit dem Wiederaufleben von Aufrichtigkeit, Hoffnung, Romantik, Affekt und dem Potenzial für große Erzählungen und universelle Wahrheiten, ohne dabei all das aufzugeben, was wir von der Postmoderne gelernt haben.

8 Timotheus Vermeulen; Robin van den Akker: Notes on Metamodernism. Journal of Aesthetics & Culture 2010

Die Metamoderne bedeutet also nicht einfach eine Rückkehr zu naiven ideologischen Positionen der Moderne, sondern geht davon aus, dass unser Zeitalter durch ein Schwanken zwischen Aspekten sowohl der Moderne als auch der Postmoderne gekennzeichnet ist. Die erwähnte informierte Naivität, der pragmatische Idealismus und gemäßigte Fanatismus oszillieren zwischen Aufrichtigkeit und Ironie, Dekonstruktion und Konstruktion, Apathie und Affekt . Sie versuchen, eine Art transzendente Position zu erreichen, als als wäre dies in unserer Reichweite. Die metamoderne Haltung versteht, dass wir im selben Moment sowohl ironisch als auch aufrichtig sein können; dass das eine nicht notwendigerweise das andere schmälert.9

Im „Metamodernistischen Manifest“ von 2011 vertrat auch Luke Turner die Ansicht, die Metamoderne sei eine romantische Reaktion auf unsere krisengeschüttelte Zeit. Die Trägheit, die aus der Auseinandersetzung zwischen Moderne und Postmoderne entstanden sei, weiche einer neuen Haltung. Die Welt sei wesentlich Oszillation (Schwingung). Sie fuße nicht auf starren Positionen, verliere sich aber auch nicht in Dekonstruktionen, sondern werde in Bewegung gehalten durch ein Oszillieren zwischen den oft diametral entgegengesetzten Standpunkten. Metamoderne sei „der quecksilbrige Zustand zwischen und jenseits von Ironie und Aufrichtigkeit, Naivität und Wissen, Relativismus und Wahrheit, Optimismus und Zweifel, auf der Suche nach einer Vielzahl von disparaten und schwer fassbaren Horizonten“.10

9 Timotheus Vermeulen 2018 Metamodernism S.256 in Braidotti, Rosi (ed.) (2018). _Posthuman Glossary_London: Bloomsbury

 10 Luke Turner (2011), Metamodernist Manifesto

Metamodernist // Manifesto

  • We recognise oscillation to be the natural order of the world. 
  • We must liberate ourselves from the inertia resulting from a century of modernist ideological naivety and the cynical insincerity of its antonymous bastard child. 
  • Movement shall henceforth be enabled by way of an oscillation between positions, with diametrically opposed ideas operating like the pulsating polarities of a colossal electric machine, propelling the world into action. 
  • We acknowledge the limitations inherent to all movement and experience, and the futility of any attempt to transcend the boundaries set forth therein. The essential incompleteness of a system should necessitate an adherence, not in order to achieve a given end or be slaves to its course, but rather perchance to glimpse by proxy some hidden exteriority. Existence is enriched if we set about our task as if those limits might be exceeded, for such action unfolds the world. 
  • All things are caught within the irrevocable slide towards a state of maximum entropic dissemblance. Artistic creation is contingent upon the origination or revelation of difference therein. Affect at its zenith is the unmediated experience of difference in itself. It must be art’s role to explore the promise of its own paradoxical ambition by coaxing excess towards presence. 
  • The present is a symptom of the twin birth of immediacy and obsolescence. Today, we are nostalgists as much as we are futurists. The new technology enables the simultaneous experience and enactment of events from a multiplicity of positions. Far from signalling its demise, these emergent networks facilitate the democratisation of history, illuminating the forking paths along which its grand narratives may navigate the here and now.
  • Just as science strives for poetic elegance, artists might assume a quest for truth. All information is grounds for knowledge, whether empirical or aphoristic, no matter its truth-value. We should embrace the scientific-poetic synthesis and informed naivety of a magical realism. Error breeds sense. 
  • We propose a pragmatic romanticism unhindered by ideological anchorage. Thus, metamodernism shall be defined as the mercurial condition between and beyond irony and sincerity, naivety and knowingness, relativism and truth, optimism and doubt, in pursuit of a plurality of disparate and elusive horizons. We must go forth and oscillate!11

11 http://www.metamodernism.org/

Die „Nordic School of Metamodernism“ entwickelte sich in den nordischen Ländern Europas. Der Ausdruck „Nordic School“ verweist auf den in diesen Ländern verbreiteten „grünen Sozialismus“. Eine zentrale Figur dabei ist Daniel Görtz (Pseudonym Hanzi Freinacht). Er versteht die Metamoderne als eine „aktive intellektuelle, soziale und politische Bewegung, die sich entwickelt, um Krisen zu begegnen, die potentiell aus der Globalisierung entstehen“. 2017 erschien sein Buch „The Listening Society“. Er erwartet darin das Entstehen einer Gesellschaft, die sensibel ist für die inneren Dimensionen des Menschen. Politik sei dann nicht mehr von Parteiinteressen geleitet, sondern baue darauf, dass Politikerinnen und Politiker auf die Menschen hören und sich für deren inneres und äußeres Wachstum einsetzen. In seinem zweiten Buch, „The Nordic Ideology“, fordert er ein neues Denken. Um mit einer komplexeren Welt umgehen zu können, würden wir die Fähigkeit brauchen, in die eigene Tiefe zu gehen. Die persönliche Sichtweise müsse zudem ausgeweitet werden ins Nationale und Globale. Die Politik soll sich von unten nach oben, von den betroffenen und gereiften Menschen zu den Abläufen der Politik hinbewegen.12

Neben den bislang beschriebenen, sich noch an akademischen Diskursen orientierenden Feldern, haben sich weitere Felder geöffnet, die es zum Teil schwierig machen, einen einheitlichen Blick auf den Metamodernismus zu werden. Nachfolgend sollen die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten, die es für den Metamodernismus gibt, genauer erläutert werden.13

12 Freinacht, Hanzi (2017). The Listening Society.

13  Basiernd auf Henriques, Gregg (2020)„What Is Metamodernism? & Freinacht, Hanzi (2017). The Listening Society.

Metamodernismus als:

1. Eine kulturelle Phase

In diesem Zusammenhang bezieht sich die Metamoderne auf Tendenzen innerhalb der Kultur im Allgemeinen, die bildende Kunst, Theater, Architektur, Literatur, Musik, Film usw. umfassen. In diesem Zusammenhang handelt es sich um die Bewegung, die auf den Zynismus und die Ironie der Postmoderne folgt und diese einlöst. Einige Beispiele finden sich in den Arbeiten von Vermeulen und van der Akker – vergleichbar mit den Arbeiten von Kulturtheoretikern über Post-Postmoderne, Digimodernismus, Transmoderne, Performativismus, Postkonstruktivismus und Enactivismus.

2. Eine gesellschaftliche Entwicklungsstufe

Die Entwicklung von kulturellen Rechtfertigungssystemen und der sie stützenden Anweisungen lässt sich laut der Entwicklungstheorie über erkennbare Stufen verfolgen. Dazu gehören präformale indigene Rechtfertigungssysteme, die für jagende, sammelnde und Gartenbaugesellschaften charakteristisch sind. Mündliche Erzählungen, der Austausch von Angesicht zu Angesicht und magisch-mythische rituelle Praktiken zur Kultivierung partizipatorischer Bedeutungsgebung sind hier wesentliche Merkmale. Vor drei- bis viertausend Jahren entstanden die vormodernen formalen Begründungssysteme. Dazu gehören die großen religiösen und philosophischen Traditionen wie der Buddhismus, der Konfuzianismus, der Zoroastrismus und das jüdisch-christlich-islamische Glaubenssystem. Diese Glaubenssysteme bestehen aus heiligen schriftlichen Texten, bieten eine formale Darstellung dessen, was ist und was sein sollte, und dienen dazu, eine große Anzahl von Menschen zu koordinieren. Vor ca. 400 Jahren entstand die Moderne und vor ca. 70 Jahren die Postmoderne. Die Metamoderne wird als gesellschaftspolitische Vision für die nächste Entwicklungsstufe betrachtet, die sich nach der modernen Gesellschaft herausbildet und stabilisiert.

3. Ein abstraktes Meta-Meme

Ein Meme ist eine kulturelle Idee oder ein Symbol, das sich in Form von einer Aneignung wiederholt und verbreitet. Manche betrachten die Metamoderne als eine Art Meta-Meme. Dies bezieht sich auf einen tiefen Code, der aus Mustern von Mustern innerhalb des Bereichs der Bedeutungsgebung und der Symbole besteht und seine eigene soziale, wirtschaftliche und technologische Dynamik hat.

Meta Meme Entwicklung

4. Eine Phase der persönlichen Entwicklung

Wie von vielen Entwicklungspsycholog:innen festgestellt und vielleicht am umfassendsten von Ken Wilber zusammengefasst und popularisiert, können wir die Entwicklung von moralischen, kognitiven, emotionalen, existentiellen und relationalen Stadien nachzeichnen. Über die Entwicklungslinien hinweg bewegen sich die Menschen von präverbalen Stadien bei der Geburt über konkrete und relativ einfache Denkweisen als Kleinkinder zu abstrakteren und konventionellen Formen des Denkens und der Beziehung und dann zu ganzheitlicheren, integrierten und postkonventionellen Seinsweisen. Insofern entspricht die Metamoderne als kultureller Code auch einer höheren Stufe der persönlichen Entwicklung. (Siehe Arbeiten zur Ich-Entwicklung und Selbsttransformation von Theoretiker*innen und Forscher*innen wie Robert Kegan, Hanzi Freinacht, Susanne Cook-Greuter, Michael L. Commons, Michael Basseches und Michael Mascolo, Kurt Fischer, Theo Dawson, Terri O’Fallon, Clare Graves und Gerald Young).

5. Ein philosophisches Paradigma

Die Metamoderne ist eine Art der Weltanschauung, die einen integrierten Pluralismus betont. Als solches können wir es als ein Paradigma, Modell oder Schema betrachten, das aus einer Philosophie besteht, welche eine Familie von Ideen zur Ontologie, Epistemologie, Ästhetik und Ethik umfasst. Metamoderne philosophische Paradigmen betonen in der Regel Elemente wie Holismus, Komplexitätswissenschaft, Informationstheorie und Kybernetik, entwicklungsorientierte Sichtweisen der Emergenz, Wege zur Versöhnung von Natur- und Sozialwissenschaften sowie einen Fokus auf das Potenzial, der wissenschaftliche und humanistische Überlegungen miteinander verbindet. Metamoderne Philosophie kann als Paradigma gesehen werden, welches die wichtigsten ontologischen, epistemologischen und ethischen Überlegungen sowohl der Moderne als auch der Postmoderne transzendiert und einbezieht.

6. Eine Bewegung mit einem bestimmten Projekt für Kultur und Gesellschaft

Die Metamoderne kann auch als ein politisches Projekt betrachtet werden. Sie ist vor allem in relativ westlich geprägten Ländern und Gesellschaften entstanden und wird von Idealen der Schaffung offener, partizipatorischer Prozesse, kollektiver Intelligenz, innerer Arbeit und „Verkörperung“, gemeinsamer Entwicklung und einer experimentellen Sichtweise auf Rituale sowie von Versuchen der „Neukonstruktion“ des Alltagslebens und der sozialen Realität angetrieben. Ebenso von Versuchen, die Perspektiven der Linken und der Rechten und der verschiedenen Seiten der Kulturkriege (z. B. zwischen Traditionalisten und Progressiven) zu überbrücken und zu synthetisieren. Metamoderne Bewegungen betonen die innere Entwicklung als politisches und soziologisches Thema, Deliberation und Perspektivenübernahme als politische Instrumente. Auch konzentrieren sie sich auf den Schnittpunkt von innerer Tiefe und äußerer Komplexität.

Die hier vorgestellten Interpretationsweisen sind nicht kontingent. Sie zeigen auf, in welchen diversen Felder miteinander verwandte Ideen aufgekommen sind. Diese sind zum Teil äußerst unterschiedlich und können kaum als ‚ein Metamodernismus‘ zusammengefasst werden. Deshalb soll im weiteren Verlauf ein Fokus auf einzelne Elemente aus unterschiedlichen Interpretationsweisen gelegt werden.

2. Moderne, Postmodern, Metamoderne

Um die Frage danach stellen zu können, was Metamodernimus ist und wozu es dient, sollte vorher abgegrenzt werden, was der Begriff nicht ist und wogegen er sich versucht abzugrenzen. Wenn also metamodern ein neues gemeinsames Bewusstsein ist und damit kulturellen Output generiert, sollten die Charakteristika der Vorgänger –also der Moderne und der Postmoderne– bedacht werden.

Plakative Einordnung der Phasen

Die moderne Philosophie ist die allgemeine mechanistische, reduktionistische Weltanschauung, die bis heute die gängige Erzählweise ist und die in westlichen Gesellschaften und Volkswirtschaften die meisten Anhänger hat. Das moderne Weltbild erblühte zum ersten Mal mit der wissenschaftlichen Revolution des 17. Jahrhunderts (Newtons Physik, Descartes Philosophie und Francis Bacons wissenschaftliche Methode) und dem Aufkommen der Aufklärung. Es besagt, dass die Physik die Grundlage der Realität sei und dass Wissenschaft und Rationalität die Menschen frei mache – eine Denkweise, die eng mit Entwicklungen wie Demokratie, Kapitalismus, Sozialismus und Menschenrechten verbunden ist und den Lebensbedingungen der Industriegesellschaft im Rahmen eines Nationalstaates entspricht. Der Modernismus als kultureller Code betont Vernunft und Rationalität, die Macht der Wissenschaft bei der Entschlüsselung grundlegender Wahrheiten über das Universum und Mensch-Sein, den Kapitalismus, die Idee des menschlichen Fortschritts und Individualität. Die meisten „modernen“ Industriegesellschaften sind in erster Linie nach diesen Werten und Codes organisiert.14

14 Henriques, Gregg (2020)„What Is Metamodernism?”

Die Postmoderne ist vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus den Sozial- und Geisteswissenschaften entstanden und hat die Universitäten und sozialen Bewegungen in den letzten Jahrzehnten stark beeinflusst. Im direkten Gegensatz zur Moderne übt die Postmoderne eine skeptische Kritik am Wissen der Moderne und kommt zu dem Schluss, dass das Wissen, das wir generieren, immer kontextabhängig ist. Das postmoderne Argument besagt, dass es eine unvermeidliche Verschmelzung von Wahrheit und sozialer Macht gibt. Sie wurde von Philosophen wie Jaques Derrida, Paul Feyerabend und Michel Foucault vertreten. Sie manifestierte sich in Bewegungen wie den massiven Bürgerrechts- und Frauenrechtsbewegungen, die in den 1960er Jahren entstanden, als die Menschen Veränderungen in den bestehenden Machtstrukturen forderten, die als mit einer christlichen, weißen, männlichen Hegemonie verbunden angesehen wurden. Postmodernismus beinhaltet eine kritische Haltung gegenüber Wissen und Wissenschaft und ist der Ansicht, dass Machtstrukturen, unbewusste Triebe, kognitive Vorurteile und willkürliche soziale Konstruktionen den menschlichen Verstand begeistern. Kurz: Wir sind bei weitem nicht so rational, wie wir denken. Daher ist die Geschichte von Wissenschaft und Fortschritt nicht unbedingt „wahr“. Aus der Sicht von Unterdrückten und scheinbar Schwächeren geht der Fortschritt der Zivilisation oft einher mit Ausbeutung und einer systematischen Dominanz der Einen über die Anderen. Der postmoderne Geist wächst aus spätmodernen Gesellschaften, in denen Massenmedien und kulturelle Unterschiede häufig mehr Leiden im Leben der Menschen verursachen als direkte wirtschaftliche Ungleichheiten.15

Die Abgestumpftheit durch den Optimismus der Moderne wurde durch den zynischen, sarkastischen und ironischen Ton der Postmoderne verkörpert. Anstatt nach der einen monolithischen, objektiven Wahrheit zu suchen, stellte die Postmoderne Millionen und eine Wahrheit aus verschiedenen Perspektiven heraus. Sie gab den Stimmen eine Plattform, die vom Narrativ der Moderne ausgebeutet und vernachlässigt wurden: den Stimmen der Afroamerikaner:innen, der Frauen, der LGBTQ-Gemeinschaft, den Stimmen aus der Kolonialzeit, den Stimmen von Gefangenen und „Geisteskranken” – Stimmen, die die Moderne aus ihren großen Proklamationen von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück, Gleichheit und Brüderlichkeit ausgeschlossen hatte.

15 Henriques, Gregg (2020)„What Is Metamodernism?”; Timotheus Vermeulen; Robin van den Akker (2010). Notes on Metamodernism. 

Indem sie eine solche Fülle von Perspektiven einnahm, setzte sich in der postmodernen Denkweise ein Geist des Relativismus und Nihilismus durch. Bei dem Versuch, so vielen verschiedenen Akteur:innen gleichberechtigt Gehör zu geben, hatte die Postmoderne keine einheitliche zentrale Vision, wie sie die Moderne hatte. Sie hatte keinen Ankerpunkt, an dem sie sich orientieren konnte. 1979 fasste Jean-François Lyotard die Essenz der postmodernen Sensibilität als Abwesenheit der großen Erzählung zusammen. 

Die metamoderne Philosophie tritt erst dann in Erscheinung, wenn das Internet und die sozialen Medien zu wirklich bestimmenden Faktoren im Leben der Menschen geworden sind und viele von uns nicht mehr direkt an der Produktion und dem Vertrieb von Industriegütern beteiligt sind. Es ist eine Weltanschauung, die den modernen Fortschrittsglauben mit der postmodernen Kritik verbindet. Was Sie dann erhalten, ist eine Ansicht der Realität, in der sich die Menschen auf einem langen, komplexen Entwicklungsweg zu größerer Komplexität und existenzieller Tiefe befinden. Die metamoderne Philosophie ist eine ganze Welt von Ideen und Annahmen, die als eine Reaktion auf die Meta-Krise unserer Zeit verstanden werden kann. Dahinter verstecken sich neben ökologischen und sozialen Krisen auch die psychologischen und mentalen Krisen wie auch die weit verbreitete Entfremdung in der Gesellschaft.

Eine Gegenüberstellung der metamodernen Vorstellungen, der Moderne und der Postmoderne soll ihre Unterschiede zusammen fassen:

Moderne Ideen:

  • Glaube an die Wissenschaft Entwicklung und Fortschritt
  • Demokratie-Glaube
  • Fokus auf das Individuum 
  • Eine meritokratische Gesellschaftsordnung
  • Die Menschheit kann die Natur aufgrund ihrer Vernunft neu erschaffen

Postmoderne Ideen:

  • Kritische Infragestellung aller Kenntnisse und Wissenschaften
  • Misstrauen gegenüber allen großen Erzählungen über „Fortschritt“
  • Betonung von Symbolen und Kontexten
  • Ironische Distanz
  • Kulturen wurden von der modernen Gesellschaft unterdrückt und zerstört
  • Zeigt Ungerechtigkeit in „demokratischen“ Gesellschaften
  • Erst Beziehungen schaffen das Individuum
  • Eine multikulturelle Ordnung, in der die „Schwachen“ eingeschlossen sind
  • Die Menschheit hat die Biosphäre zerstört

Metamoderne Ideen:

  • Wie können wir die besten Teile der beiden anderen ernten?
  • Können wir bessere Prozesse für die persönliche Entwicklung schaffen?
  • Können wir die Prozesse nachbilden, in denen die Gesellschaft lokal und global regiert wird?
  • Können die inneren Dimensionen des Lebens in der Gesellschaft eine zentralere Rolle spielen?
  • Wie können moderne, postmoderne und vormoderne Menschen produktiv zusammenleben?
  • Wie kann Politik an eine immer komplexer werdende Welt angepasst werden?
  • Was ist die einzigartige Rolle der Menschheit in den Ökosystemen der Natur?

„Metamodernism transcends and includes these previous worldviews. This synthesis is critical for the problems we face in the 21st-century.”16

16 Freinacht, Hanzi (2017). The Listening Society.

Elements of modernism, post-modernism and meta-modernism17

17 Hashim (2018) „Defining the Element of Meta-Modernism Art“.

3. Metamodernismus und Transformation 

Spannend für die Betrachtungen von Metamodernismus und deren Bedeutung und Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Transformation bzw. dem Transformationsdesign ist die letzte Ausprägung des Metamodernismus als eine Bewegung mit einem bestimmten Projekt für Kultur und Gesellschaft (siehe Eingangskapitel). Hier können sich mögliche Parallelen auftun – eventuell kann das Transformationsdesign gar als ein metamodernes Projekt aufgedeckt werden.

Da die Metamoderne auch als ein politisches Projekt betrachtet werden kann und auf offene, partizipatorische Prozessen, kollektive Intelligenz, innere Arbeit und „Verkörperung“, gemeinsame Entwicklung und eine experimentelle Sichtweise zurückgreift, könnte dieses übertragen werden auf einige Projekte und Strategien, die in progressiven Designprozessen zu finden sind. 

In diesem Kontext gibt es neben theoretischen Zugängen einige Initiativen oder Projekte auf dem Gebiet des Metamodernismus, die sowohl praktische als auch akademische Vorhaben vereinen. Ihre Gemeinsamkeiten sollen im Nachfolgenden heraus gearbeitet werden.

Das Mapping18 dieses entstehenden „metamodernen“ Ökosystems, in dessen Mittelpunkt ein radikaler, alternativer Ansatz für den sozialen Wandel steht – ein Ansatz, der gleichzeitig paradigmatisch, integriert und engagiert ist – zeigt, dass diese Projekte auf ähnlichen Ansätzen fußen. Besonders im Vordergrund stehen: Post-Individualismus, Ganzheitlichkeit und Kulturschaffung (in Form von neuen Normen und Erzählungen). Außerdem liegt ein Schwerpunkt auf Komplexität, Systemen und Emergenz, auf Entwicklungsmodellen, Spiritualität und Praxis sowie auf Sensibilisierung, auf verschiedenen Formen von Wissen und global-lokalem Aktivismus. Weitere Gemeinsamkeiten sind das Interesse an dezentraler Governance, die Suche nach alternativen sozialen Vorstellungen und regenerativer Kultur. Die nachfolgenden Aufführungen basieren auf den ersten Mapping-Versuchen und -Analysen von Netzwerken. Diese sind sicher unvollständig, da nur wenige Initiativen sich offen als metamodern bezeichnen, diese aber dennoch nach den zugrunde liegenden metamodernen Mustern agieren. Viele der Analysen sind zudem nicht in akademischen Texten publiziert. Der Begriff der Metamoderne bewegt sich häufig nur am Rande des wissenschaftlichen Diskurses. 

“There is an open question now about the legitimacy of the term’s scope and remit outside of academia, however, especially because many people who invoke metamodernism to make sense of their work are para-academic or post-academic, often writing as intellectual journalists or policy researchers and often having advanced degrees, but mostly having little inclination to confine themselves to scholarly captivity or write for academic journals. It just somehow doesn’t feel metamodern to play the academic game. In so far as this observation is accurate, it may say something about the epistemic and scholarly style of metamodernism, which acts as a tacit and sometimes explicit critique on conventional academic knowledge production.“19

18 Life itself (2022). Mapping Metamodern

19 Jonathan Rowson (2021). Dispatches from a Time between Worlds.

Dieses Zitat von Jonathan Rowson im Vorwort zu seiner Analyse über Metamodernität macht deutlich, dass diese Praxis typisch sein könnte für ein metamodernes Wissenschaftsverständnis und deren Strukturen.

Paradigmatischer Wandel 

Es besteht die Überzeugung, dass der erforderliche Wandel paradigmatisch ist. Das heißt, es wird ein Wandel des gesamten gesellschaftlichen Paradigmas angestrebt, und zwar sowohl auf der Systemebene als auch auf der „ontologischen“ Ebene (Weltanschauung und Erzählungen). Dies steht im Gegensatz zu Ansätzen, die entweder eine Reform anstreben, z.B. die Verbesserung des Marktliberalismus, oder einen tiefgreifenden Wandel eines bestimmten Bereichs, z. B. die Umgestaltung unserer wirtschaftlichen Produktions- und Eigentumsstrukturen, wobei die grundlegenden Annahmen darüber, wer wir sind und wie wir uns zur natürlichen Welt verhalten, unangetastet bleiben.

Integrierter Wandel

Es besteht die Notwendigkeit, Methoden und Wege zur Veränderung zu integrieren, die eine Vielzahl von Bereichen und „Orten“ (z. B. persönlich, kulturell, institutionell usw.) umfassen. Ein zentrales und grundlegendes Beispiel, das den meisten (wenn auch nicht allen) Akteur:innen gemeinsam ist, ist die Überzeugung, dass innere und äußere Transformation Hand in Hand gehen müssen.

Engagierter Wandel

Die Teilnehmer:innen engagieren sich aktiv in der breiteren Gesellschaft für die Zwecke der sozialen Transformation. Dies unterscheidet sie von Gruppen, die zwar viel innere Arbeit leisten, diese aber nicht direkt und explizit mit einem breiteren sozialen Wandel verbinden, z.B. spirituelle Gemeinschaften.

Post-individualistischer Wandel

Der Post-Individualismus nimmt zwei Formen an. Erstens die Konzentration auf Gruppen und nicht nur auf Einzelpersonen als primäre Analyseeinheit und die Idee, dass wir unser Engagement von uns selbst weg und hin zu einer Ausrichtung auf einen größeren Nutzen verlagern müssen. Die zweite Form des Post-Individualismus zeigt sich in einem breiten Engagement im gesamten Ökosystem, tatsächlich vernetzt und gemeinschaftlich zu arbeiten.

Ganzheitlicher Wandel

Was als Ganzheitlichkeit bezeichnet wird, bezieht sich auf die Sichtweise von sozialen Phänomenen, sozialem Wandel und der Welt als Ganzes. Es gilt ein weit verbreitetes Verständnis der Welt als Gestaltungsobjekt. Wie aus dem paradigmatischen Fokus und den integrierten Ansätzen hervorgeht, die wir als Abgrenzung des Ökosystems selbst identifiziert haben, führt diese Ganzheitlichkeit zu einer Problemdiagnose, die auf ein tieferes Ganzes abzielt, das zu negativen sozialen Ergebnissen führt. Diese grundlegenden Herangehensweisen an den sozialen Wandel entstammen einer ganzheitlichen Perspektive im weiteren Sinne, die sich auch in der Verwendung von Begriffen wie Metakrise oder Polykrise zeigt.

Culture-making

Culture-making bezeichnet den Wunsch, über die herrschenden Normen und Erzählungen hinauszugehen. Es geht darum, die Grundlagen, Weltanschauungen und Annahmen unserer derzeitigen Ordnung zu verändern. Dies führt dazu, dass die Akteur:innen in dem metamodernen Ökosystem offener dafür sind, soziale und politische Positionen in Frage zu stellen oder anzufechten, die nicht nur in der breiteren Gesellschaft, sondern auch in progressiven Kreisen selbst als Normen verstanden werden. 

Einige dieser Eigenschaften sind auf das Transformationsdesign zu übertragen, dessen zentrale Aspekte folgendes umfassen:

Transformation

Aus dem Lateinischen transformatio bzw. transformare kommend bezeichnet Transformation etwa eine Umwandlung, Umformung, Umstrukturierung oder Umgestaltung. Damit grenzt sie sich prozessual und/oder von der Tiefe der Umstrukturierung von der Revolution und Reform ab, ebenso wie von der Transition, obwohl es Überschneidungen, Parallelen und Doppeldeutigkeiten gibt. Was hier jedoch deutlich werden sollte, egal wie wir das Wort definieren, es zielt auf eine Veränderung des bestehenden Systems in ein neues, normativ Wünschenswertes ab.20 Dabei ist das Transformationsdesign keine neue Disziplin, sondern vielmehr eine Einstellung „der umfassenden Bewusstheit der faktischen und ethischen Implikation des Lebens und des Entwerfens in einer dramatisch schnellen/ beschleunigten Zeit des riskanten Wandels“.21 Darüberhinaus sind es selten Aussagen zu objektiven Wahrheiten, sondern vielmehr Aushandlungsprozesse, die initiiert werden sollen – mit dem Ziel, demokratische Wissensproduktionen oder wenigstens Konflikte anzustoßen. Dabei wird sich laut Wolfgang Jonas das Transformationsdesign bewusst, dass Design nicht aktiv die Welt verändert, sondern vielmehr Optionen, Bilder und Erzählungen entwirft, die anschließend die Möglichkeit eröffnen, möglichst ohne verordnete Beschränkungen über mögliche/wünschenswerte Weltveränderungen nachzudenken. Dieses Vorgehen hatte bereits Herbert Simon als geistigen Schaufensterbummel bezeichnet (mental window shopping)22. Mit dem Versuch, Transformationsdesign zu definieren, entsteht das Paradox einer möglichen Hybris bei gleichzeitigem Bewusstsein der Einschränkung des Einflusses und einer Bescheidenheit – eine bescheidene Hybris also, bei der auch hier zwischen Polen oszilliert wird. Eine mögliche Auflösung und Entwicklung könnte in ähnlichen Strategien liegen, die auch in anderen metamodernen Entwicklungen zu sehen sind. Was als offene Fragen bleiben wird, ist der ewige Konflikt zwischen Reform und Revolution, oder, direkter auf die Fragestellung bezogen, zwischen Transformation oder Entwicklung. Im nachfolgenden Kapitel soll geschaut werden, welche Funktion das Neuschöpfen und Einführen von Begriffen haben kann und welche Probleme damit verbunden sind. 

20 Lauriola, Daniele (2021) „Transformation Design“.

21 Jonas,Wolfgang (2018) „Prolog“. In Förster u. a. (2018), Un/certain futures.

22 Simon, Herbert (1996) , The sciences of the artificial.

4. Wortneuschöpfungen, Narrative und Sprache als Transformationsstrategien 

Einer der größten Unterschiede der Metamoderne gegenüber zum Beispiel der Postmoderne ist die Akzeptanz für große Hoffnung bringende Narrative, welche Orientierung in solch krisengesteuerten Zeiten geben sollen. Darin liegt jedoch auch eines der größten Paradoxe in dieser Strömung. 

Die moderne Wissenschaft wurde teilweise durch einen kontinuierlichen Prozess der Differenzierung erfolgreich. Damit meinen wir die Reduzierung der Welt auf ihre kleinsten, am leichtesten verständlichen Teile. Dies wurde mit der Postmoderne weiterentwickelt, in der Sprache, Wissenschaft und Logik selbst zunehmend zum Gegenstand einer kritischen Analyse und Untersuchung wurden.23

Als Gesellschaft, als Kultur und als philosophische Gemeinschaft ist hier ein Ende des Weges erreicht. Wenn diese Sackgasse verlassen und wirklich ein neues Paradigma entwickelt werden soll, dann muss mit der Entwicklung einer neuen Meta-Erzählung angefangen werden: Das Wissen und die Erkenntnisse aus der Moderne und Postmoderne werden zusammengeführt und eine neue Geschichte wird geschaffen. Dazu ist das Bewusstsein wichtig, dass es nur eine Geschichte ist, zwar die nach aktuellen Kenntnissen beste, jedoch trotzdem mit Einschränkungen. Diese Geschichte wird in der Metamoderne jedoch einer Geschichte vorgezogen, die es gar nicht gibt. Für diese Geschichte soll sich eingesetzt werden – und gleichzeitig sollte doch versucht werden, sich in Frage zu stellen, diese weiterzuentwickeln oder niederzureißen. Die erste Eigenschaft eines metamodernen Geistes ist seine Fähigkeit, mit Paradoxien produktiv umzugehen.

23 Freinacht, Hanzi (2015). You are not metamodern before you have understand this

Was hat das Ausrufen einer neuen „Epoche“ oder auch das „Namengeben” dieses Paradigmas nun für eine Wirkung? In einem Artikel über die neue Benennung des Green New Deals bzw. des Bauhauses wird die Wirkung eines Namings deutlich: 

“A name opens or forecloses possibilities. A name includes or excludes histories. Naming is and was a tool deployed to control the imaginaries of societies. It is an epistemic technology that inserts itself in places: one which represents while it erases, which determines who owns or who belongs while disavowing others. The act of naming is more than a superficial form of branding. It is akin to producing monuments. Today such monoliths are being contested across the world. They stand, and fall, as symbols of imperialism and colonialism and grave injustice. Current social movements are challenging monuments that remain inserted in public spaces, in academic institutions, and in museums.”  24

24 Vázquez und Khalidi (2021) A New Bauhaus? The Debate for a More Inclusive Europe

Der Vergleich erscheint passend, da der Vorgang der Namensfindung ähnlich ist. Es wird ein Begriff genutzt, Bauhaus oder Moderne, welcher mit Historie und Kontext aufgeladen ist. Dazu wird ein neues Präfix gesetzt, um eine Entwicklung oder Veränderung anzuzeigen. Im Kontext des New Bauhaus als megamodernes Projekt ist dies etwas problematisch, da die Überlegungen trotz des neuen Namens zutiefst in den modernen Ideen gefangen bleiben. 

Bei der Nutzung des Begriffs Metamodernismus sollte hier differenziert werden. Es handelt sich dabei aus meiner Sicht nicht wirklich um eine Wortneuschöpfung, sondern um eine fortschreitende Entwicklung – quasi eine Weiterentwicklung. Dies wird auch in den meisten Ausführungen zum Metamodernismus betont. Er wird als eine Entwicklungsstufe bezeichnet, die zwar über die vorhergegangene hinausgeht, die Erkenntnisse dieser jedoch inkludiert und doch transzendiert.25

Dazu kommt, dass durch die Einführung Denkbarrieren eingerissen werden. Es besteht zwar die Gefahr, dass gerade wichtige Erkenntnisse aus dem Diskursfeld fallen, jedoch bietet die Einführung eines neuen Paradigmas die Möglichkeit, für sich selbst zu denken und sich eventuell die Freiheit zu nehmen, die durch ein Aufsetzen auf bereits Bestehendes nicht möglich wäre. Vorerst bietet das Wort „Metamodernismus” noch Raum, um neue Bedeutung und Zugehörigkeit zu schaffen und diesen Freiraum zu nutzen, um Projekte, welche im bisherigen (modernen und postmodernen) Denken noch keinen Platz gefunden haben. Gerade ist wohl auch das Testen, Experimentieren und Artikulieren von neuen Ideen und Konzepten von zentraler Bedeutung. Mit dem Einführen eines Begriffes gibt es die Möglichkeit, Phänomene, Ideen und Konzepte zu benennen und zu besprechen, die vorher vielleicht bereits existent, jedoch unsichtbar waren. Mit einer Bezeichnung wird ihnen Raum geschaffen. Sie werden beobachtbar und können Kontroversen auslösen – gerade dies kann großen Wert haben, da auch das Abgrenzen und Reiben an Ideen einen Möglichkeitsraum zum Denken öffnen kann. 

Ein weiterer Möglichkeitsraum, der sich durch die Einführung des Metamodernismus ergibt, ist das Infragestellen bestimmter Methoden und Werkzeuge. Durch eine neue Analyse, die sich nicht mit der Infragestellung und Dekonstruktion von Strukturen zufriedengibt, können neue Methoden und Werkzeuge entwickelt werden – diese versuchen zeitgleich, die Erkenntnisse aus der Kritik der Postmoderne aufzunehmen und diese durch neue Verhaltensweise sowohl theoretisch als auch praktisch neu zu formieren und zu konstruieren. 

5. Metamodernes Handeln und Denken als Transformationswerkzeug

Neue Paradigmen im Handeln und Denken stehen im Zentrum des Metamodernismus, dabei sind diese mit anderen Werten ausgestattet. Deshalb soll es weniger um die einzelnen Werkzeuge gehen, sondern vielmehr darum, wie Design als subversive Technik verwendet werden kann, um Dinge zusammenzuführen, die sonst nicht zusammen gedacht wurden. 

Bevor einige zentrale Techniken vorgestellt werden, hier noch einige Vorgedanken: Im Umgang mit Theorie ist es fragwürdig, wie diese in eine Praxis integriert werden kann. Da es sich um eine politische, um eine philosophische, aber vor allem um eine soziologische Betrachtungsweise handelt, kann die Theorie auch als Selbstbeobachtungswerkzeug betrachtet werden. Wo finden meine Gedanken und Argumentationsketten ihren Ursprung? In welchen Paradigmen sind sie eventuell gefangen und wo sind die Grenzen des eigenen Denkens? Zu welcher Gruppe von Denker:innen und Praktizierenden fühle ich mich zugehörig und wieso lehne ich andere Gruppen oder Denkmuster ab? Welche Perspektive schließe ich gerade aus und welche Perspektive sollte ich einnehmen bzw. versuchen zu verstehen? Somit kann metamodernes Denken als Metatheorie verstanden werden, um auch das eigene Denken zu dekonstruieren und spielerisch neu zu konfigurieren – ein Hacking des eigenen Denkens. 

“Metamodernism foregrounds the importance of reflective, self-analytical, interdisciplinary scholarship. We need a humble, positively and progressively oriented academy in which a collaborative and compassionate ethics serve openly as the motivation behind research and development of thought.” 26

Hanzi Freinacht definiert fünf Aspekte, die das Denken metamodern machen. Voraussetzung ist hierbei auch, postmodern zu sein, denn metamoderne Denkmuster inkludieren Erkenntnisse vorhergeganger Entwicklungen wie Moderne und Postmoderne und lehnen sie nicht strikt ab27

“First of all, any true metamodernist must also be a postmodernist. If you do not understand and depart from the postmodern critique of knowledge, science, philosophy, art and consciousness, you cannot really claim to be metamodern”

Nachfolgend sollen die fünf mentalen Techniken vorgestellt werden, die eine metamoderne Transformationsdesign-Praxis anreichern können. Diese basieren auf Überlegungen von Hanzi Freinacht und Seth Abramson28.

26 Josephson-Storm, Jason Ānanda (2021). Metamodernism: the future of theory

27 Freinacht, Hanzi (2015). 5 things that make you metamodern

28 Abramson (2017). Ten Basic Principles of Metamodernism. & Freinacht, Hanzi (2015). 5 things that make you metamodern

  1. Bewusstsein für Allergien und Metakognition

Eine Allergie ist eine unkontrollierte negative emotionale Reaktion auf eine bestimmte Idee oder Person. Es ist ein mulmiges Gefühl, das ausgelöst wird durch bestimmte Personen, Ideen oder Konzepte. Diese Emotionen sind normal und immer präsent. Im metamodernen Denken sollte der Verstand darauf geschult werden und eine Metakognition gegen diese sogenannten Allergien entwickelt werden. Dadurch wird die Fähigkeit zu objektiven Urteilen und fairen Analysen nicht durch emotionale Reaktionen beeinträchtigt. In kurz: Nur weil man sich bei etwas schlecht fühlt, heißt das nicht, dass es falsch ist. Hierbei wird deutlich, dass ein einfaches Urteil und die Kritik daran unterschiedliche Ursachen haben können und meistens zu nichts führen. Eine differenzierte und kritisch selbstreflektierte Betrachtung schützt vor allergischen Reaktionen.

2. (Erneuter, jedoch anderer) Glaube an Entwicklung und Fortschritt

Der Metamodernismus glaubt an den Fortschritt und sieht das Konzept der „Entwicklung“ als eine Möglichkeit, eine ansonsten eindimensionale Analyse des Wandels zu bereichern. Die metamoderne Denkweise ist eine Reaktion auf das postmoderne relativistische Dogma, dass Fortschritt eine Illusion sei und dass nur gesagt werden könne, dass sich die Dinge verändern, nicht aber, dass irgendeine Art von Entwicklung stattfindet. Es ist keine Rückkehr zum unkritischen Lob des technischen Fortschritts der Moderne, den kapitalistischen Wachstumslogiken und zum Glauben, dass jede Entwicklung gut sei, sondern es ist ein Versuch, auf der Grundlage der postmodernen Kritik neu zu definieren, was angemessener Fortschritt bedeutet, ohne die Hoffnung aufzugeben, dass wir die Dinge zum Besseren entwickeln können.

3. Ein Verständnis für Hierarchien

Der Begriff der Entwicklung kann ein gutes Modell sein, um die Vergangenheit wahrzunehmen und die Zukunft zu gestalten. Hierarchie ist der notwendige Rahmen, um Einheiten in kohärente Systeme und sinnvolle Erzählungen zu ordnen. Der Metamodernismus entfernt sich von dem Gedanken, dass jegliche Formen von Hierarchien schlecht sind, jedoch auch davon, dass diese nach den alten willkürlichen Herrschaftshierarchien (Rasse, Klasse, Privilegien, Geschlecht) strukturiert und unkritisch akzeptiert werden. In der metamodernen Logik wird versucht, die Realität nach nicht willkürlichen und wohl begründeten Hierarchien –je nach Komplexität und ethischem Wert – abzubilden, indem die in der Postmoderne und darüber hinaus entdeckten Erkenntnisse und Verhaltensethiken mit einbezogen werden.

4. Auf Wiederaufbau abzielen (nicht nur Dekonstruieren)

Ein Mantra der Metamoderne ist: Auf die Dekonstruktion muss die Rekonstruktion folgen. Während in der Postmoderne ein besonderes Augenmerk auf der Dekonstruktion lag, ist es nun die Aufgabe, auf die reine Dekonstruktion gleichzeitig mit einer Rekonstruktion zu reagieren und diese wieder mit anderen Aspekten der Realität zu verbinden. Das Metamoderne steht in dem, was aus der einst allmächtigen großen Erzählung des rationalen Denkens der Moderne zurückgeblieben ist, die von den Dekonstruktionen der Postmoderne aufgelöst wurde. Das große Ziel der Metamoderne ist eine neue große Erzählung aus bekanntem Wissen, welches alle Weisheit zusammenfügt, wohl wissend, dass dies ein nie endendes Unterfangen ist und dass die einzige erreichbare Synthese eine ist, die immer erneut der Kritik unterzogen werden muss und nie ohne Fehler sein wird.

5. Sowohl-als-auch-Denken

Das entscheidende Instrument zur Erstellung einer neuen großen Erzählung ist das „Sowohl-als-auch“-Denken. Es geht weder darum, das Beste aus der Moderne und Postmoderne zu nehmen oder einen Mittelweg zwischen diesen beiden Polen zu finden, noch geht es um die Fähigkeit, einen Kompromiss zu finden. Es geht um die Fähigkeit, scheinbare Gegensätze zu synthetisieren und aus Thesen und Antithesen neue Synthesen zu konstruieren. Dies ist ein Weg, die scheinbaren Paradoxien zu überwinden, auf die Modernisten und Postmodernisten noch keine befriedigenden Antworten gefunden haben. Objektive Wissenschaft oder subjektive Hermeneutik? Sowohl als auch. Erbe oder Umwelt? Beides und. Biologischer Determinismus oder kulturelle Anpassung? Beides und. Materie oder Geist? Ohne eine allergische Reaktion und mit dem Wunsch umzukonstruieren wird deutlich, dass in der  jeweils gegensätzlichen Position ein Stück Wahrheit stecken kann.

Die Fünf Aspekte können einerseits das Denken in der Transformationspraxis erweitern und dazu beitragen, mit anderen Werten und Mustern zu agieren. Andererseits bleibt auch das Metamoderne eine unabgeschlossene Entwicklung, die mitgestaltet und mit Bedeutung gefüllt werden muss. Eventuell ist sie aber genau die Erzählung, die neue Hoffnung geben kann und ein Zugehörigkeitsgefühl erzeugt. 

Abschließend noch ein Plädoyer von Hanzi Freinacht für einen Metamodernismus:

“We need Metamodernism. Our world is drowning in complexity. The naivete of Modernity and the relativistic nihilism of Postmodernism are only compounding the problems that we face. We need a bigger vision once again. Our world is facing a meta-crisis – we have a climate crisis, a meaning crisis, a mental health crisis as well as approaching another political crisis. We are a world in crisis and no amount of naivete or nihilism is going to get us past this. We need a grand narrative again. We need something that is going to give us hope once again. Metamodernism is the trend that is evolving out of that need. It is the bridge-builder between all the different factions in our world. Metamodern principles are already inherent to the contradictions of modern society; late modern society is pregnant with metamodernism. People need irony in order to build interpersonal trust based on self-knowledge, humor and critical thinking. Only when such trust is in place can we successfully gather around a meaningful struggle for something greater than ourselves, like the climate crisis.”29

29 Freinacht, Hanzi (2017) The Listening Society


Literaturverzeichnis

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Daniele Lauriola
Abgegeben bei Dr. Paul Feigelfeld
Seminar “Digitale Kulturen und Nachhaltigkeit”

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