Hiphop und die ökosoziale Transformation

Die Masterarbeit von Samuel Zonon geht auf die Entstehung und die Definition der Hiphop-Kultur ein. Sie besteht aus den vier Elementen: dem Breakdance, dem Djing, dem Graffiti und dem Rap. Mit diesen vier Bereichen ist die Hiphop-Kultur sehr vielschichtig und komplex.

In einer umfangreichen Recherche wurde auf die Geschichte eingegangen, die mit dem traurigen Kapitel der Sklaverei beginnt, über die Segregation und die Bürgerrechtsbewegung geht und so einen wichtigen Beitrag zu der Emanzipation der Afroamerikaner beigesteuert hat.

Die Entstehung der Hiphop-Kultur in den 1970er Jahren in der New Yorker South Bronx ist beispielhaft für eine positive gesellschaftliche Transformation. Die Kinder und Jugendlichen schafften es, das viele Negative wie den Zerfall der Bronx, das Drogen- und Gewaltproblem in etwas Positives zu verwandeln, in dem sie scratchen, rappten, sprühten und tanzten. Sie machten ihre „Ghetto-Gesellschaft“ zukunftsfähig und leisteten einen wichtigen Beitrag für die afroamerikanische Community, indem sie die „Black Heroes“ hervorgebracht haben. Zudem hat es die Hiphop-Kultur geschafft, aus dem ökonomischen Nichts ein Milliardengeschäft entstehen zu lassen. So haben viele Afroamerikaner wirtschaftliche Freiheit gewonnen. Vor allem im Musik- und Modebereich fassten sie Fuß.

Ein sehr wichtiger Aspekt, den die Hiphop-Kultur hauptsächlich im Dj- und dem Breakdance-Bereich aufzeigt, ist das grenzsprengende Potenzial der Offenheit und Toleranz. Menschen aus der ganzen Welt kommen zusammen und widmen sich ihrer Leidenschaft. Sie battlen sich im freundlichen Wettstreit und es gibt Preise und Anerkennung zu gewinnen. Auf diese Weise entwickeln sich die Vielfalt und die Fähigkeiten der Szene-Mitglieder immer weiter.

Die Hiphop-Kultur kann als Sinnbild für eine Werkzeugkiste stehen, die jedem zur Verfügung steht, vor allem Kindern und Jugendlichen. Zum Starten benötigt man nicht viel, ein Stift und ein Blatt Papier und man kann mit Reimen schreiben oder Graffitis zeichnen beginnen. Das Bemerkenswerte ist, dass Hiphop im Prinzip von Kindern und Jugendliche für Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt entwickelt wurde.

Zusätzlich zur Theorie sind zwei praktische Projekte entstanden. Bei dem ersten handelt es sich um die Entwicklung des Modelabels „Cormo 1990“. Es befasst sich mit dem Problem des Konsums von Streetwear und die damit verbundene Wegwerfmentalität. Gerade weil die Hiphop-Kultur zur Etablierung und zu der weltweiten Verbreitung von Streetwear beigetragen hat, ist sie mitverantwortlich für die heutige Situation. Zudem wird von vielen Rappern ein sexistischer, konsumorientierter Luxuslifestyle propagiert, der kontraproduktiv für die ökosoziale Transformation ist.

Das Modelabel „Cormo 1990“ zeigt mit Upcycling-Jeanshosen und mit den Jeans-Jacken mit „Backpieces“, dass es möglich ist, aus alt neu zu machen. Ein alter, unbrauchbarer Rucksack wurde „zerlegt“ und die noch guten Teile umgenutzt und weiterverwertet. Auch Taschen und die in der Hiphop-Szene kultigen Kappies wurden mit dem nachhaltigen Korkmaterial entwickelt. Ein afrozentrische Ausrichtung wird mit afrikanischen Waxprint-Stoffen gezeigt. Hierzu wurden sogar erste eigene Stoffe gefärbt, bedruckt und anschließend vernäht. Die Gestaltungen der T-Shirts und Jutetaschen gehen auf eigens angefertigte Graffiti-Motive zurück und verdeutlichen ökosoziale Thematiken. Ein T-Shirt-Motiv zeigt eine Kamera mit einem Auge und knüpft so an die Debatte um den Öffentlichen Raum an und stellt die wichtigen Fragen: wem gehört der Öffentliche Raum und wer darf ihn kontrollieren? Ein weiteres Motiv zeigt den Spruch „Respect Mother Earth“ und verdeutlicht, dass wir im Einklang mit der Natur leben müssen. Auch die Denkweise, bei der das Geld an erster Stelle steht wird von einem T-Shirt-Motiv aufgegriffen und um geändert. In Zukunft sollte der Planet an erster Stelle steht dann der Mensch und danach erst in Klammern gesetzt das Geld. Das Motto „System Change not Climate Change“ wird aufgegriffen und ein eigenes Motto wurde entwickelt, das zum Adaptieren einlädt : „My Hiphop is Green“. Gleichgesinnte können dieses Motto aufgreifen, ihre Interpretation zeigen, das ökosoziale Potenzial von Hiphop stärken und einen Beitrag leisten. 

Das zweite praktische Projekt, das im Rahmen der Arbeit entstanden ist, ist ein Graffiti Projekt. Hierbei wurde die Außenwand der Turnhalle der Oberwald Grundschule in Durlach-Aue, einem Stadtteil in Karlsruhe, bunt gestaltet. Das Projekt zeigte hervorragend wie ein sozialer Austausch stattgefunden hat, wie Kinder und Jugendliche über das Medium Graffiti für die Kunst begeistert werden können und wie eine Message für Frieden und ein gemeinsames Miteinander im Öffentlichen Raum zum Ausdruck gebracht werden kann. Ein Video ist zu dem Projekt entstanden und unter dem folgenden Link einsehbar: https://www.youtube.com/watch?v=xuwWQAUgqI8

Die Arbeit hat einige Aspekte zum Vorschein gebracht die belegen, dass Hiphop die ökosoziale Transformation unterstützen kann. Wichtig hierbei sind praktische Projekte, die diese Werte weiter vermitteln. Ein sehr gutes Beispiel ist das „Guerilla Gardening“ das in Verbindung zu Graffiti steht. Hierbei werden soziale und ökologische Aspekte vorbildhaft zusammengeführt. Genau diese Verknüpfung zwischen sozialen und ökologischen Aspekten zu schaffen, ist eine schwierige Aufgabe, die wir Menschen meistern müssen, um eine ökosoziale Transformation zu schaffen und zukunftsfähig zu werden. 


Masterarbeit von:
Samuel Zonon, 2021
Kontaktaufnahme zu dem Designer und Künstler Samuel Zonon gerne per Email: samuelzonon@web.de 

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