Buen Vivir

Eine Gelegenheit, sich andere Welten vorzustellen.

Eine Referatsverschriftlichung von Nara Capdeville. Nara ist eine brasilianische Person. Wenn sie über wir spricht, spricht sie von ihre Geschichte und ihre Perspektive von auf die lateinamerikanische Gesellschaft.

Seit den 1950er Jahren durchliefen die meisten südamerikanischen Länder einen demokratischen Prozess des politischen Fortschritts auf der linken Seite. In dieser Zeit verschärften sich auch die Spannungen des Kalten Krieges, der für die USA zu einer wichtigen geografischen Auseinandersetzung wurde. Dies führte zu neun Militärputschen in Südamerika und sehr gewaltsamen Diktaturen, die die Demokratien, die Menschenrechte, die sozialen und ökologischen Rechte dieser Länder destabilisierten. 

Im Gegensatz zu den sozialistischen Diktaturen in Europa, die ideologische Diktaturen im Sinne der Förderung einen ideologischen Lebensstil waren, die die Rechte und Gleichberechtigung der Menschen diskutierte. Trotz aller Probleme lag ihr der Mensch und seine Lebensqualität am Herzen. Diktaturen in Lateinamerika waren rein repressiv, so dass sich die Menschen als Gemeinschaft nicht organisieren konnten, um genau über diese Rechte nachzudenken, weil dies aus amerikanischer Sicht eine geografische Bedrohung darstellen würde, da sie sich in einem internationalen politischen Auseinandersetzungsprozess befänden für Hegemonie. Und die amerikanische Hegemonie kommt rein aus dem wirtschaftlichen Marktstreit. Und diese Diktaturen haben den lateinamerikanischen Lebensstil stark infiziert und uns weit von unseren Wurzeln entfernt.

Die ökologische Debatte in Lateinamerika:

Unter der Ägide diktatorischer Militärregierungen wurden grundlegende Menschenrechte stark missachtet und bestehende soziale Ungleichheiten und strukturelle Gewalt vertieft. In diesem Zusammenhang gewann der Kampf für Menschenrechte und demokratische Institutionen als Antwort auf die Schrecken, die unter autoritäre Regierungen erlebten wurden, an Stärke und eroberte den politischen Übergang. Der Prozess der demokratischen Öffnung mit den Enden des diktatorischer Regime in den 1970er und 1980er Jahren machte dieses geografische Gebiet zu einem Teil eines neuen politisch-konstitutionellen Zyklus. 

Humanökologie bezieht sich mehr auf die menschliche Beziehung zur ökologischen Umwelt, Soziale Ökologie bezieht sich auf soziale Bewegung mit liberatirischen anarchistischen Ansätzen.

Die wichtigsten Neuerungen gab es jedoch in den letzten Jahren bei den Verfassungen. 2008 gewährte Ecuador als erstes Land der Welt der Natur verfassungsmäßige Rechte – es schrieb seine jeweilige gesellschaftliche Realität in den Verfassungstext ein und ebnete damit den Weg für den Einfluss der indigenen Kosmovision und des Pluralismus in der Verfassung.

2009 folgte Bolivien demselben Weg:

„El Estado asume y promueve como principios ético-morales de la sociedad plural: ama qhilla, ama llulla, ama suwa (no seas flojo, no seas mentiroso ni seas ladrón), suma qamaña (vivir bien), ñandereko (vida armoniosa), teko kavi (vida buena), ivi maraei (tierra sin mal) y qhapaj ñan (camino o vida noble).“

 «als ethisch-moralische Grundsätze der  pluralen Gesellschaft verfolgt und gefördert werden: ama qhilla, ama llulla, ama suwa  (nicht  faul  sein,  kein  Lügner  und  kein Dieb sein), suma qamaña (erfülltes  Leben),  ñandereko  (harmonisches  Leben), teko kavi (gutes Leben), ivi maraei  (Erde ohne Böses) und qhapaj ñan (nobler  Weg  oder  Leben)».“

Buen Vivir

Südamerika ist die Heimat einer reichen Vielfalt indigener ethnischer Gruppen, jede mit ihren eigenen Traditionen, Überzeugungen und Lebensweisen. Diese Völker haben eine tiefe Beziehung zur Natur, die als heilig und als Quelle der Nahrung und des Lebens angesehen wird. Im Allgemeinen übernehmen indigene Gemeinschaften in der Region traditionelle landwirtschaftliche Praktiken, basierend auf lokalem ökologischem Wissen und Artenvielfalt. Darüber hinaus haben viele dieser Gemeinschaften ihre eigenen Regierungs- und Managementsysteme für natürliche Ressourcen, die auf Zusammenarbeit, Solidarität und Fürsorge für zukünftige Generationen basieren.

Trotz kultureller und sprachlicher Unterschiede teilen indigene Gemeinschaften in Südamerika eine Weltanschauung, in der Natur und Gesellschaft eng miteinander verbunden sind. Diese Sichtweise basiert auf der Vorstellung, dass alle Lebewesen eine Daseinsberechtigung haben und der Mensch nur ein Teil des Ganzen ist. Daher haben indigene Gemeinschaften in Südamerika der Welt viel darüber beizubringen, wie man in Harmonie mit der Natur lebt und ihre Vielfalt und Komplexität respektiert. 

Angesichts der wachsenden globalen Umweltkrise wird es immer wichtiger, dieses traditionelle Wissen und diese traditionellen Praktiken zu schätzen und zu unterstützen und die entscheidende Rolle anzuerkennen, die indigene Völker bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt und dem Schutz des Planeten spielen.

Das Konzept des Buen Vivir, also des «guten Lebens», umfasst  eine Reihe von Ideen, die nicht nur eine  Reaktion  auf  das  herkömmliche  Verständnis  von  Entwicklung  und  Wachstum sind, sondern auch eine Alternative  dazu darstellen. Unter dem Begriff ver- sammeln  sich  unterschiedliche  Ansätze, die, mit viel Emphase, neue, kreative  Perspektiven sowohl auf die Theorie als  auch  auf  die  Praxis  von  «Entwicklung»  werfen.

Buen Vivir ist keine Idee alternativer Entwicklung, sondern ein Konzept, das Entwicklung selbst in Frage stellt. Als Vorschlag für eine zivilisatorische Transformation verlässt er anthropozentrische Sichtweisen und beschreitet einen Weg hin zu sozio-biozänischen Sichtweisen mit politischen und sozialen Konsequenzen, die sich im Prozess ergeben werden. Idee eines guten Wohn-Wellfeer. Nicht im Einzelnen konzentrieren, ist ein kollektiver Ansatz. Ein gutes Leben ist immer in der Gemeinschaft. Nicht nur menschliche Gemeinschaften, sondern sie erstrecken sich auf Lebewesen, Menschen sind nur ein Teil davon. Gemeinschaften sind immer an einem bestimmten Ort verwurzelt, sie sind keine abstrakten Ideen.

Buen Vivir ist auch nicht nur ein indigenes Konzept. Es ist eine Mischung. Beinhaltet auch die radikalen Komponenten und Kritiker des Westens, wie Geschlechterfragen und Naturrechte. Die indigene Perspektive ergibt sich aus dem Konzept dessen, was Gemeinschaft ist, die Ilinearität der Zeit, ein kultureller Kritiker dessen, was ein indigenes und traditionelles westliches Wissen und eine Wissenschaft sein soll.

Es begann in indigenen Gruppen, die einen Dialog mit anderen gesellschaftlichen politischen Gruppen schufen. Sie fanden einen Weg, die Themen in großem Umfang in die politische Debatte einzubringen. Der Punkt, an dem Gutes Leben auf westliche Ideologien trifft, ist die Gleichstellung der Rassen und Geschlechter. Denn aus indigener Sicht gibt es keine Rassenkrise, weil sie alle der gleichen ethnischen Zugehörigkeit angehören, also ist dies kein Thema für sie. Aber die Rassisierung der westlichen Gesellschaft befindet sich in einem Teufelskreis, der zu ungleichen und ausbeuterischen Mentalitäten beiträgt.

Auch in progressiven neuen linken Wachstumsformen, die in manchen Aspekten besser sein können als die konservativen, weil sie für einen Großteil der Menschen einen materiellen Komfort-Lebensstandard erreichen können. Aber für lokale Gemeinschaften bedeutet dies Armut, Umweltbelastungen, Invasion von Land und territoriale Streitigkeiten.

Die Idee der Wachstum, egal mit welchem ideologischen Hintergrund, hat die gleichen Wurzeln der Landnahme und der Ungleichheit. Es geht nicht um eine Demokratie, die nur einer liberalen individuellen Staatsbürgerschaft Türen öffnet, sondern um das Konzept der pluralen Staatsbürgerschaft, das mit sozialen Geschichten und der Umwelt korreliert.

Es umfasst ökologische Gerechtigkeitskriterien, die über das traditionelle Gerechtigkeitsverständnis hinausgehen. Eduardo Gudynas nennt diese Staatsbürgerschaft „ökologische Meta-Bürgerschaft“. Erweiterung des Rechtspluralismus und der Praxis des Public Management mit multinationalen und interkulturellen Kriterien, die eine stärkere und effektive Bürger- und Gemeinschaftsbeteiligung gewährleisten.

Rechte der Natur

Die neue ecuadorianische Verfassung von 2008 umfasste die Idee, dass die Natur unabhängige Rechte hat. Raúl Prada Alcoreza: „Die Moderne hinter sich lassen, die Geschichte der Souveränität in der Moderne, die Geschichte des Staates in der Moderne, die Geschichte der Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft, die eine Geschichte der Trennung zwischen bürgerlicher und politischer Gesellschaft ist, die auf Herrschaftsmechanismen beruht und Leistungsdiagramme. Hinterlassen einer Geschichte polymorpher Kolonialisierung und Beherrschung, die in der Welt verwurzelt ist, wo die Geopolitik den Planeten zwischen Zentrum und Peripherie teilt.“

Die Herausforderung dieser Konstruktion besteht darin, dass sie partizipativ sein muss, und um partizipativ zu sein, muss sie eine Wahl der Menschen und ein ganzer Prozess der Priorisierung durch die Menschen sein. Und diese Priorisierung bedeutet, auf viele Dinge zu verzichten, und damit meine ich vor allem viele materielle Dinge, die sehr stark zur individuellen Identität der Menschen gehören.

Laut Jürgen Schuldt, um den Unabhängigkeit von derzeit Strukturen zu verwirklichen, müssen kollektive Entscheidungen über eine selektive und zeitliche Abgrenzung vom Weltmarkt impliziert werden, was ein einheitlicher Weg wäre, von Regionen, Ländern bis zum Weltmarkt. Die Dezentralisierung nimmt eine herausragende Rolle ein, obwohl sie darauf abzielt, die gesellschaftliche Rolle und Kontrolle im Entscheidungsprozess zurückzugewinnen. 

Wirtschaftliche Perspektive 

Die Buen Vivir-Perspektive unterscheidet sich in mehreren Aspekten von herkömmlichen Wirtschaftsmodellen. Einer seiner Hauptkritikpunkte betrifft die Rolle des Marktes in der Gesellschaft. Während der Markt als Mechanismus angesehen wird, der den Wettbewerb und die Gewinnmaximierung fördert, schlägt Buen Vivir eine Wirtschaft vor, die sich auf das Wohlergehen der Menschen und des Planeten konzentriert. Aus dieser Sicht muss der Markt den Bedürfnissen der Gesellschaft untergeordnet werden und nicht umgekehrt. Die Realität des Wettbewerbs zwingt den Unternehmer zur Effizienz, um die Preise niedrig zu halten und wettbewerbsfähig zu bleiben, was soziale Prioritäten benachteiligt. 

Anders als die liberale Theorie behauptet, ist der Markt keine spontane Konstruktion, sondern eine soziale Konstruktion (Gudyana, x) , die auf die konkreten Anforderungen der jeweiligen historischen Periode reagiert. Markt ist ein Begriff, der schon immer in allen Gesellschaftsformen existiert hat. 

Um diesen Wandel zu fördern, befürwortet die Buen Vivir-Perspektive die Schaffung neuer Formen wirtschaftlicher Organisation wie Genossenschaften, solidarische Unternehmen und faire Handelssysteme. Diese Initiativen zielen darauf ab, die aktive Beteiligung der Menschen an der Wirtschaft zu fördern und legen Wert auf Solidarität, Gegenseitigkeit und Sorge um die Umwelt. Anstatt die Interessen großer Unternehmen zu bevorzugen, versucht die Wirtschaft von Buen Vivir, die gerechte Verteilung von Ressourcen und Möglichkeiten zu fördern und lokale Gemeinschaften und kulturelle Vielfalt zu stärken.

Eine Möglichkeit ist auch alternative Währungen verschiedener Größenordnungen: lokale Parallelwährungen für andere Zwecke, die nichts mit der großen Wirtschaft zu tun haben. In diesem Zusammenhang wird die Stärkung der lokalen Wirtschaft gestärkt, ohne auf andere wirtschaftliche Ökosysteme angewiesen zu sein. 

Aus Sicht von Buen Vivir wird die Wirtschaft den Bedürfnissen der Bevölkerung untergeordnet und nicht umgekehrt Insofern ist es sehr klar, dass bei einer Änderung der Prioritäten der materielle Lebensstandard darunter leiden würde. Nicht-ökonomische Ansätze würden Strategien des Wohlbefindens ohne dem Gewinnziel verbinden Wir hätten eine höhere Lebensqualität, aber die Wirtschaft wäre sparsamer.

Um über den Finanzmarkt hinauszugehen, müsste die gesamte Profitlogik der heutigen Gesellschaft neu gedacht werden, und damit der Eigennutz nicht wieder zum großen Diktator wirtschaftlicher Entscheidungen wird, bräuchte es viel Regulierung des Staates.

Fazit

Zusammenfassend bietet die Buen Vivir-Perspektive mehrere Vorteile für Gesellschaften, wie die Förderung des menschlichen Wohlergehens und des Einklangs mit der Natur, die Wertschätzung kultureller Vielfalt und die aktive Teilhabe der Menschen an der Wirtschaft. Im Gegensatz zum aktuellen Entwicklungsmodell, das auf Wirtschaftswachstum um jeden Preis basiert, schlägt Buen Vivir eine breitere und ganzheitlichere Sichtweise der Entwicklung vor, die die sozialen, ökologischen und kulturellen Dimensionen berücksichtigt. Auf diese Weise stellt Buen Vivir einen alternativen Weg dar, um globalen Herausforderungen wie sozialer Ungleichheit, Klimawandel und dem Verlust der Biodiversität zu begegnen und kann dazu beitragen, gerechtere, nachhaltigere und widerstandsfähigere Gesellschaften aufzubauen.

Literaturverzeichnis:


Acosta, A. (2016). Buen Vivir: uma oportunidade de imaginar outro mundo

Gudynas, E. (2011). Buen vivir: Das gute Leben jenseits von Entwicklung und Wachstum. ANALYSEN: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Petters Melo, M. Burckhart, T. (2018). A Constituição equatoriana de 2008 : uma nova concepção de Estado e pluralismo. Trajetórias Humanas Transcontinentais 3.

Text von Nara Capdeville
Seminar: Praxis der Zukungsanalyse
bei Paul Rajakovics

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