Wie könnte eine Postwachstumsgesellschaft aussehen? Und was tragen wir dazu bei?

Wir waren wieder unterwegs – zur Regionalkonferenz der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Jena. Es war gleichzeitig die Abschlusskonferenz der DFG-Kollegsgruppe „Postwachstumsgesellschaften“. Und bereits der Titel gibt Hinweise, was uns dort hinführte: Great Transformation – Die Zukunft moderner Gesellschaften.

Fünf Tage diskutierten und referierten Vertreter*innen der Soziologie vor und mit einem Publikum aus sehr unterschiedlichen Disziplinen. Unter ihnen trafen wir dort auf unseren verwandten Studiengang Transformation Studies aus Flensburg. Die Schlagworte die derzeit die Soziologie beschäftigen (wie sie in Jena präsentiert wurde) sind Postwachstum, Kapitalismus/Wachstumskritik, Dekolonialisierung oder Imperiale Lebensweisen. Wir mussten uns ein wenig an die vorgestellten Perspektiven gewöhnen, denn die Frage wie Degrowth gelingen kann oder die Arbeit der Zukunft aussehen kann, würden wir konkreter und involvierter verhandeln, als die eher externe Draufsicht der Soziologie es tut. Umso mehr konnten uns Slots überraschen, die mit offenen Diskussionsformaten nicht nur Bestehendes problematisierten, sondern auch in gestaltende Positionen übergingen.

Für uns als Transformationdesigner*innen wurde die eigene gestaltende Position ein weiteres Mal geschärft und gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig die Verbindung zwischen den Disziplinen ist. Wichtiger als sie derzeit gelebt wird. Wissenschaftliche Arbeit und analytische Perspektiven befähigen, Verbindungen und Entwicklungen zu verstehen. Aber befähigt dieses Wissen nicht auch zum Handeln? Und sind Analysen nicht besonders dann sinnvoll, wenn sie mit Erkenntnisinteresse mehrerer Disziplinen verbunden sind? Vor allem, wenn sie das gesellschaftliche Zusammenleben prägen?
Soziologie als alleinstehende Disziplin, die den Anspruch hat, gesellschaftlich relevante Erkenntnisse zu erlangen und sich dabei in sehr exklusiven Diskursen verliert. Der Anspruch geht dabei nicht über einen Erkenntnisgewinn hinaus und dabei ist es genau das Gestalten, was die große Transformation braucht und gleichzeitig so herausfordernd macht.

Kommentar (1)

  1. Eine Gesellschaft, die ohne Wachstum auskommt, würde viele unserer Probleme lösen. Meines Erachtens könnte das bedingungslose Grundeinkommen dazu beitragen, mindert es doch die Ungerechtigkeit, die derzeit besteht. Leistet der/die Bankangestellte mehr als Altenpfleger*innen? Der Radiologe so viel mehr als der Hausarzt? (siehe heute Spiegel Online)

    Gibt es (Denk-)Modelle für solche Gesellschaften?

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