Ulrike Bergermann: Von morgen her gedacht – Crusing / Queer / Afrofuturism

Was wäre, wenn man die Zeit aus der Zukunft her denkt? Erstens ist es tröstlich, sich vorzustellen, wie man später über etwas lachen wird, das jetzt wehtut. Zweitens ist es lehrreich. Vorgedacht haben das TheoretikerInnen und KünstlerInnen des Afrofuturismus und der Queer Theory. Zehn Millionen aus Afrika in die Amerikas verschleppte SklavInnen, ihrer Vergangenheit beraubt, erfinden als diasporische community eine unmögliche Bewegung in der Zeit, die gleichzeitig futuristisch und nostalgisch ist, Zukunft und Heimat, retro und utopistisch, eine ”black futurology“. Queertheoretiker Munoz behauptet ein „utopisches Performativ“: Queerness ist nie erreicht, immer ein Horizont, immer eine Möglichkeit, aber gleichzeitig wird queerness produziert, während man diesen Horizont begehrt. Der Vortrag durchstreift diese Zeitkonzepte.

Ulrike Bergermann ist Medienwissenschaftlerin an der HBK mit Schwerpunkten in Gender und Postcolonial Studies und Wissenschaftsgeschichte. Publikationen zur Geschichte der Medienwissenschaft und Kybernetik, zu Disability, zum Verhältnis von postkolonialer Theorie und Medien; Redakteurin der Zeitschrift für Medienwissenschaft; Mitglied im DFG-Lenkungsgremium Medienwissenschaft (aktuell: ”Connect and Divide. The Practice Turn in Media Studies“, Chicago Press 2017).